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Down-Syndrom: Zur Geschichte der Bezeichnung einer Chromosomenstörung

Die Bezeichnung des Down-Syndroms, der häufigsten Trisomie, hat eine bedeutsame Geschichte.

 

Die Humangenetikerin Prof. Dr. Elisabeth Gödde kommentiert die zugrunde liegende Ideologie bei der Namensgebung des Down-Syndroms (Trisomie 21) in der ersten systematischen Beschreibung des Störungsbildes.

Namen im Wandel der Zeit: Vom Mongoloidismus zum Down – Syndrom

 

Im Jahre 1866 – also vor etwa 150 Jahren – verfasste der Sozialpädiater John Langdon Haydon Langdon-Down in England eine Abhandlung mit dem Titel „Observations on an ethic classification of idiots“, in der er auch eine Gruppe seiner Patienten beschrieb, deren klinisches Bild wir heute als „Down-Syndrom“ bezeichnen.

 

Dr. Langdon-Down folgte dem damaligen Zeitgeist, der die Vorstellung hatte, dass die nichteuropäischen Rassen auf stammesgeschichtlich niedrigerer und geistig minderwertiger Stufe stünden und Angehörige der europäischen Rasse infolge degenerativer und regressiver Prozesse gelegentlich darauf zurückschlügen.

 

Entsprechend dieses Denkmodells definierte Dr. Down einige seiner Patienten als „mongolischen Typ“, es wurden darauf die Begriffe „mongoloide Idiotie“, „Mongoloidismus“ oder „Mongolismus“ geprägt. (Zitiert nach H. A. Hienz, 1971)

 

Nicht nur die Ergebnisse der Chromosomenanalysen dokumentieren eindeutig, dass die Grundvoraussetzung für die Namensgebung –nämlich die Wertung der verschiedenen Menschenrassen in „niedriger stehend“ und „höher stehend“ – falsch ist. Aufgeklärte Menschen brauchen für ein gesundes Selbstbewusstsein nicht das Gefühl, von Natur aus besser zu sein als die anderen.

 

Die Namensgebung „Down-Syndrom“ würdigt die Verdienste von Dr. Langdon-Down, der seine Patienten nicht einfach verwahrte, sondern ihnen eine ihren Begabungen entsprechende Ausbildung ermöglichte:

 

„Wir müssen die höchstmögliche Kultur, die beste physische, sittliche und intellektuelle Ausbildung anbieten, um jenen, die den größten Anspruch auf unsere Sympathie haben, neue Bereiche des Glücks zu eröffnen.“ - John Langdon Haydon Langdon-Down, 1887, zit. nach N.J. Pies, 1996 -

 

Ein Kommentar von Prof. Dr. med. habil. Elisabeth Gödde, Fachärztin für Humangenetik, Psychotherapie, palliativmedizinische Grundversorgung